2. Internationales Ökoweinsymposium in Stuttgart
Oppenheim, 30.04.2007. Zum zweiten Mal traf sich Ende April die internationale Weinwelt zum Ökoweinsymposium im Rahmen der Intervitis/ Interfructa in Stuttgart. Der Deutsche Weinbauverband (DWV) und der Bundesverband Ökologischer Weinbau ECOVIN hatten gemeinsam zum Austausch der Experten eingeladen. Schwerpunktthema dieser Tagung waren die „Leitlinien für die ökologische Kellerwirtschaft“.
DWV-Präsident Norbert Weber und ECOVIN-Vorstand Johann Schnell begrüßten rund 120 Gäste, die sich über aktuelle weinbaupolitische Herausforderungen und neueste Forschungsaktivitäten informieren wollten. Ein Grußwort sprach auch MdB Ulrike Höfken, Vorsitzende des Bundestagsauschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Sie betonte die steigende Nachfrage nach Bioprodukten und den Wunsch der Verbraucher nach Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit. „Dazu gehört die Möglichkeit, den Wein, der aus ökologisch angebauten Trauben erzeugt wurde, auch bezeichnungsrechtlich kurz und griffig Biowein benennen zu können.“
Reform EU-Bio-Verordnung
Denn bislang dürfen nach EU-Recht Ökoweine nur mit dem Hinweis „Wein aus Trauben aus ökologischem Anbau“ beworben werden. Weitere Standards, die auch die Kellerwirtschaft betreffen, werden von den verschiedenen Anbauverbänden formuliert und gelten als privatrechtlich. Die neue EU-Kellerrichtlinie will in dieser Hinsicht Klarheit schaffen: indem sie ebenfalls für die ökologische Kellerwirtschaft verbindliche Vorgaben trifft und die gemeinschaftsweit einheitliche Kennzeichnung von ökologischen Erzeugnissen regelt.
Karina Lott von der Brüsseler Anwaltskanzlei Graf von Westfalen trug den aktuellen Stand zur neuen EU-Kellerrichtlinie (Gesetzgebung 2009) vor. Ihr Fazit spiegelte die Kritik wider: „Es ist zu befürchten, dass die im Verordnungsvorschlag enthaltene Möglichkeit für Ausnahmeregelungen bei den Produktionsvorschriften und das auf Drittlandsprodukte angewandte Regime sich nachteilig auf die ökologische Weinerzeugung in Europa auswirken werden.“
EU-Projekt ORWINE
Das EU Projekt „ORWINE“ (Organic viticulture and wine-making) hat das Ziel, Vorschläge für die EU-weiten Kellerrichtlinien für Weine aus ökologischem Anbau auf wissenschaftlichen Grundlagen zu geben. Dabei ist ECOVIN als deutscher Projektpartner vertreten. Richard Doughty, Projektpartner aus Frankreich (ITAB Institut Technique de l´Agriculture Biologique), gab auf der Tagung einen Überblick über die verschiedenen internationalen Standards zur ökologischen Weinbereitung.
Weitere kellerwirtschaftliche Themen des ORWINE-Projektes stellten die italienischen Partner Roberto Zironi (UNIUD Università degli Studi di Udine) und Cristina Micheloni (AIAB Associazione Italiana per l´Agricoltura Biologica) vor (s. auch www.orwine.org). Was hingegen Verbraucher vom Biowein erwarten, das benannte Hanna Stolz (FiBL Forschungsinstitut für biologischen Weinbau, Projektpartner Schweiz). Insgesamt 11 Partner beteiligen sich an ORWINE, das Projekt läuft über 36 Monate (Beginn Februar 2006).
Ökoweinbau außerhalb der EU-Länder
Peter Hayes, Präsident der OIV (Internationale Organisation für Rebe und Wein) hob die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit hervor und berichtete zugleich über den Ökoweinbau in seinem Heimatland Australien. Weitere Einblicke in den internationalen Ökoweinbau gaben Volker Eisele, Weingut Volker Eisele Familiy Estate, für die USA und für Spanien Victor Gonzálvez, Sociedad Espanola de Agricultura Ecológica (SEAE).
Forschungsberichte
Analytische Untersuchungen zur Qualität von Ökoweinen waren Thema des Vortrags von Piergiorgio Comuzzo, Universität Udine Italien.
Enric Barta vom Instituto Catalán de la Vina y el Vino (INCAVI, Spanien) referierte über die Rolle der Glutathionperoxidaseaktivität der Hefe für das Weinaroma. Aus Deutschland kamen drei Beiträge: Ulrich Fischer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR Rheinpfalz) ging der Frage nach, ob bei der Spontangärung ein „Terroir der Hefen“ nachweisbar ist. Christian von Wallbrunn stellte Arbeiten der Forschungsanstalt Geisenheim vor zum Thema: Auswirkungen von Pflanzenschutzstrategien im ökologischen Weinbau auf die Hefepopulation, den Gärverlauf und das Aromaprofil der Weine. Schließlich gab Jürgen Sigler, Staatliches Weinbauinstitut Freiburg, seine kellerwirtschaftlichen Erfahrungen beim Ausbau pilzwiderstandsfähiger Pilzsorten weiter.
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Andrea Schürgers
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