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Preis der Deutschen Weinkritik an ECOVIN
Ehrung für Engagement des Verbandes bei VDP-Weinbörse Mainz

Oppenheim, 30.04.2007. Mit der Eröffnung der VDP-Weinbörse in Mainz am vergangenen Wochenende begann auch eine Feierstunde für den Bundesverband Ökologischer Weinbau: Sein über 20-jähriges Engagement für den ökologischen, qualitätsorientierten Weinbau wurde mit dem Preis der Deutschen Weinkritik geehrt. Die Auszeichnung wird von Weinfeder e.V., der Vereinigung deutschsprachiger Weinpublizisten, vergeben.

Bild Preisverleihung
(vlnr): Wolfgang Junglas, Andrea Schürgers, Sigrid Großmann, Rudolf Knoll

Bei Weinfeder e.V. sind 40 Weinjournalisten vertreten. Jährlich zeichnen sie mit dem Preis der Deutschen Weinkritik herausragende, innovative Leistungen in der Weinwelt aus, um Qualitätssteigerungen zu fördern. Bisherige Preisträger waren im Jahr 2005 der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) und in 2006 die „Deutsche Wein- und Sommelierschule“.

Vor den Gästen der Weinbörse hielt Rudolf Knoll die Laudatio für ECOVIN. Er erinnerte an die Anfänge des Verbandes, der 1985 mit 35 Erzeugern gegründet wurde. Die große Aufgabe war damals, die ersten Richtlinien für Ökoweinbau aufzustellen. Die Ökowinzer der Pionierzeit wollten der Monokultur in den Weinbergen etwas entgegensetzen. Ihr Einsatz für das ausgeglichene Ökosystem von Nützlingen und Schädlingen in den Weingärten hat mittlerweile viele Nachahmer gefunden.

Im Laufe der Jahre entwickelte ECOVIN ein effizientes Beratungssystem für die Mitglieder. „Auch die Wende zur Weinqualität machte sich bemerkbar“, berichtete Rudolf Knoll, der seit vielen Jahren ECOVIN-Weine verkostet und kommentiert. Die ECOVIN-Winzer (200 Betriebe, rund 1000 Hektar) legen ihren Schwerpunkt auf die Direktvermarktung, doch gute Entwicklungschancen sieht Weinpublizist Knoll bei Genossenschaften und Kellereien; auch im Fachhandel ist stärkere Nachfrage zu verzeichnen.

Die Entwicklung von ECOVIN wollen die Weinfeder-Mitglieder weiterhin aufmerksam verfolgen. Dazu gehören die Leitlinien für ökologische Kellerwirtschaft: ECOVIN ist Partner des Projekts ORWINE. Es hat das Ziel, der EU-Kommission wissenschaftliche Grundlagen und Vorschläge für eine Kellerrichtlinie auf EU-Ebene zu erstellen. Auch die Konsequenzen des Klimawandels und der Einsatz von pilzresistenten Neuzüchtungen sind eine großes Thema, mit dem sich ECOVIN beschäftigt.

„Engagierte Ökowinzer sind Trendsetter. Wir freuen uns, dass unsere Arbeit von einem erlesenen Kreis erfahrener Weinkenner ausgezeichnet wird. Der Preis ist ein großer Ansporn für ECOVIN“, erklärte ECOVIN-Geschäftsführerin Andrea Schürgers. Sie nahm den Preis gemeinsam mit ECOVIN-Winzerin Sigrid Großmann entgegen.

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Pressekontakt:
ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e.V.
Andrea Schürgers
Wormser Str. 162, 55276 Oppenheim
Fon 06133-1640, Fax 06133-1609
E-Mail: info@ecovin.org, Internet: www.ecovin.org

Preis der Deutschen Weinkritik 2007: ECOVIN
Laudator: Rudolf Knoll, Weinfeder e.V.

Im Spätherbst 1980 starb ein junger deutscher Winzer, nachdem er bei windigem Wetter am Vormittag ein Spritzmittel mit seinem Sprühgerät ausgebracht hatte und anschließend im Weinberg Butterbrote zum zweiten Frühstück verzehrte. Bald darauf musste er ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo nur mehr festgestellt werden konnte, dass seine Atemwege und sonstige Organe so verätzt waren, dass er nicht mehr gerettet werden konnte. Ein paar Jahre später regten sich deutsche Winzer, die oft mit freiem Oberkörper auf dem Traktor durch die Weinberge fuhren darüber auf, dass ein Spritzmittel verboten wurde, das im Weinberg Schädlinge gut abhielt. Die Nebenwirkung „Krebsgefahr“ wurde auf die leichte Schulter genommen.

Alles noch gar nicht so lange her. Damals wurden Leute, die mahnten, man solle nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen, als „Angsthasen“ verlacht. Und Weinbauern, die Grünsaat ausbrachten und ihre Spritzungen deutlich reduzierten sowie auf alternative, gesündere Mittel setzten, als „grüne Spinner“ bezeichnet. Auch Verharmloser waren am Werk. Ich kann mich erinnern, dass in jener Zeit ein Gutsverwalter, der gleichzeitig auf der Gehaltsliste eines Chemie-Riesen stand, vor Publikum einen Schluck Schwefelbrühe nahm, um zu verdeutlichen, wie unschädlich doch alles ist, was im Weinberg eingesetzt wird.

Laudator Rudolf Knoll
Laudator Rudolf Knoll

Aber praktisch zeitgleich begann sich Vernunft in den Weinbergen breit zu machen, kam es langsam zu einem Umdenken. Die Pflanze ökologischer Weinbau, die in den fünfziger und sechziger Jahre die ersten zarten Triebe zeigte, wuchs. Plötzlich fand sogar in der Weinbaupolitik das Wort „umweltverträglich“ Beachtung. Und die Öko-Winzer, die es damals noch nicht in großer Zahl gab, betrieben einen immer reger werdenden Erfahrungsaustausch. Schließlich kam es 1985 zur Gründung des Bundesverbandes Ökologischer Weinbau in Deutschland. 35 Erzeuger aus Rheinhessen, der Pfalz, von der Mosel und aus Baden machten zunächst mit. Ihre wichtigste Arbeit war es, die Richtlinien für ökologischen Weinbau festzulegen. Denn alles, was man bis dahin darüber wusste, geschah eigentlich eher aus dem Bauch heraus. Richtige, verbindliche Anleitungen und Kontrollkriterien waren Neuland. Bei den Konsumenten gab es ebenfalls keine genauen Vorstellungen, was denn ökologischer Weinbau ist. Die meisten dachten, es handle sich um ungeschwefelten Wein.

Der Verband, kurz und wenig einprägsam „BÖW“ genannt, bezeichnete seine Art, im Weinberg zu arbeiten, als „einzige Alternative“ zum konventionellen Weinbau. Ein paar Jahre später war es dann schon die „bessere Alternative“, weil der sogenannte umweltschonenden oder integrierte Weinbau propagiert wurde, der aber kein konsequentes Umdenken erforderte, sondern Schlupflöcher offen ließ. Dennoch taten manche Protagonisten dieser Richtung so, als sei das der einzig wahre Weg.

Es ist hier in einer Runde mit lauter Fachleuten nicht notwendig, viel Ausführungen über den Ökoweinbau an sich zu machen. Nur soviel: jene, die ihn betreiben, legen nicht nur Wert auf die Erhaltung der eigenen Gesundheit, sie wollen auch eine intakte Umwelt, einen gesunden, unbelasteten Boden. Sie wenden sich gegen Monokultur in den Weinbergen und wollen für eine harmonische Landschaft sorgen, in der natürliche Nützlinge gegen Schädlinge aktiv werden und die Pflanze Rebstock so gesund ist, dass sie auch mal ein paar Krankheiten übersteht, ohne gleich zu degenerieren.

Es ist zweifellos mit ein Verdienst des Bundesverbandes ökologischer Weinbau – mittlerweile besser bekannt als „Ecovin“, was ursprünglich Warenzeichen war – dass sich die Rebkultur in Deutschland heute viel besser darstellt als vor gut 20 Jahren. Der Verband hat sich gegen viele Widerstände weiter entwickelt. Er und seine Mitglieder brauchten auch eine Zeit der Selbstfindung. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Verkostungen mit Weinen aus den Reihen des BÖW, bei denen man die Ergebnisse nur sehr diplomatisch beschreiben konnte, weil man schließlich als Journalist die gute Absicht nicht allzu sehr malträtieren wollte. Heute kann man es im Rückblick offen sagen, dass wir reihenweise fehlerhafte Weine verkosteten und einer aus unserer Jury damals kopfschüttelnd meinte: „Da feiern die Mikroorganismen wahre Orgien.“

Damals gab es nicht sonderlich viel ambitionierte, erfahrene, richtig gute Winzer in den Reihen von Ecovin. Doch allmählich begann ein Beratungssystem zu greifen und dämmerte auch dem letzten rauschbarttragenden Waldschrat in den Reben, dass die positive Ideologie nicht an der Kellertreppe abgelegt werden kann und es letztlich nicht egal ist – ich zitiere einen bekannten Pfälzer Politiker – „was hinten raus kommt.“

Die Zeiten waren vorbei, in denen sich allein durch Hinweis auf „Öko“ oder „Bio“ verkaufen ließ. Qualität war gefragt. Ein wichtiges Zeichen setzte Anfang der neunziger Jahre auch der VDP, unser heutiger Gastgeber für diese Ehrung. Michael Prinz zu Salm, der neue Präsident, hätte am liebsten alle Mitglieder dazu vergattert, die Umstellung vorzunehmen. Er selbst ging mit gutem Beispiel voran, aber ansonsten blieb doch ein Großteil der Güter eher reserviert. Immerhin bekannten sie sich zum umweltschonenden Weinbau. Einige waren schon vorher echte „Öko’s“, andere wagten den Schritt – und bereuten es nicht. Nicht alle sind sie bei Ecovin, aber wenigstens sind sie als Naturland- Bioland- oder Demeter-Mitglieder bekennende „grüne Winzer“.

Der ökologische Weinbau in Deutschland hat von einigen Persönlichkeiten profitiert, die ihn prägten, mit ihren Ideen voran brachten, die Visionen entwickelten und diese zumindest teilweise realisieren konnten. Ich darf hier vor allem die langjährige Vorsitzende Christine Bernhart aus der Pfalz nennen, eine echte Powerfrau, die ihre Mitglieder und Mitarbeiter ständig auf Trab hielt. Sie war und ist vom Geist der Öko-Bewegung überzeugt und hat mich allein mal durch ihre Begeisterung bei einer Ansprache dazu motiviert, einen größeren Report über die Szene zu schreiben. Das brachte mich, am Rande bemerkt, vor Gericht, weil ich einen der gelegentlichen Trittbrettfahrer, der in seiner Werbung vom „ökologischen Ausbau“ – statt Anbau - sprach, attackierte. Aber der Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung wurde abgeschmettert.

Der Bericht war im übrigen kombiniert mit einer Verkostung von Öko-Weinen, die ein wesentlich besseres Ergebnis als Jahre zuvor brachte. Wir entdeckten eine Reihe von erstklassigen Weinen und einige unbekannte Winzer, die heute schon – weil sie konsequent bei der Sache blieben – recht bekannt sind. Sie werden von ihren anderen Berufskollegen inzwischen akzeptiert; das macht unter anderem die Aufnahme von Ecovin in den Deutschen Weinbauverband vor drei Jahren deutlich. Es werden immer mehr. Manche in Anführungszeichen „normale“ Winzer sind nicht mehr weit weg vom Umstieg oder haben ihn bereits vollzogen, ohne dass sie das durch die Mitgliedschaft in einer Organisation bekunden. Offiziell sind bei Ecovin heute rund 200 Betriebe Mitglied, mit einer Fläche von etwa 1 100 Hektar; das sind mehr als 50 Prozent der gesamten Öko-Weinbaufläche in Deutschland. Das ist noch keine gewaltige Größenordung. Und schon gar nicht stellt Öko-Wein mit seinen insgesamt vielleicht 12 Millionen Liter Jahresproduktion eine echte Marktmacht dar. Einige deutsche Groß- oder Genossenschaftskellereien füllen erheblich mehr ab. Aber vielleicht nimmt das Wachstum in den nächsten Jahren wieder stärker Fahrt auf?

Die Zeichen stehen gut. Die Lebensmittelskandale der letzten Zeit haben den Trend zu Öko stark gefördert. Zwar wird es nach wie vor genügend Leute geben, die auf diesem Sektor ihre „Geiz-ist-Geil-Mentalität“ pflegen und alles verzehren, Hauptsache es war billig und der Bauch ist voll. Zwar wird es nach wie vor Weintrinker geben, denen es egal ist, wie Wein entsteht, die nichts hören wollen von Chips, Konzentration, Schleuderkegelkolonnen, Aromahefen und ähnlichen Dingen, Hauptsache er schmeckt ein bisschen wie die gewohnte Limonade, nur mit Alkohol.

Aber andererseits glaube ich, wie die Öko-Winzer, dass das Interesse weiter steigt, sich immer mehr Fachhändler des Themas annehmen und so der Ökowein allmählich seine Nische zwar nicht verlassen, aber doch deutlich vergrößern kann. Die Öffentlichkeitsarbeit, die früher eher sporadisch betrieben wurde, kann dabei helfen. Der Preis der deutschen Weinkritik ist so etwas wie PR-Arbeit für den Ökowein und Ecovin, obwohl er von Journalisten vergeben wird. Wir versprechen ihnen allen natürlich, dass wir die weitere Entwicklung des Verbandes genau und nicht unkritisch verfolgen werden. Es gibt ja noch spannende Themen wie die neue Generation der aus den alten Hybriden weiter entwickelten pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, genannt „Piwi“, die vor allem in feuchten Jahren und ungünstigen Standorten Vorteile gegenüber den klassischen Sorten haben. Rondo, Regent bei Rot, Merzling und Johanniter bei Weiß gehören zu den schon etwas bekannteren Piwi’s.

Wer weiß, vielleicht sind einige der neueren Sorten in wenigen Jahrzehnten auf breiter Front unverzichtbar, wenn sich der Klimawandel mit allen seinen bekannten und unbekanntenAuswirkungen deutlicher bemerkbar macht. Jetzt schon dürfen wir intensiv darüber nachdenken, welche Konsequenzen sich für den Weinbau in Deutschland daraus ergeben, vor allem bei der Wahl der Sorten. Ich denke, dass hier die Ökowinzer als genaue Beobachter der Natur viel dazu beitragen können, dass die Probleme in den Griff zu bekommen sind.

Ecovin, bitte übernehmen sie.

Redetext – es gilt das gesprochene Wort.

Urkunde Weinfeder